Trotz seines Verbots in Frankreich zieht Roja Directa weiterhin im Ausland an.

Roja Directa ist ein Verzeichnis von Streaming-Links für Sport, das Anfang der 2000er Jahre in Spanien gegründet wurde. Die Seite selbst überträgt keine Video-Streams: Sie aggregiert Links zu Übertragungen, die auf Drittservern gehostet werden. In Frankreich hat die Justiz auf Antrag von La Liga die Sperrung bei Internetanbietern angeordnet. Die Seite bleibt jedoch aus vielen Ländern zugänglich, und ihre Reichweite im Ausland nimmt nicht ab.

DNS-Sperrung in Frankreich: Was die Maßnahme verhindert und was nicht

Das von den französischen Gerichten gewählte Verfahren basiert auf einer Sperrung auf DNS-Server-Ebene der Internetanbieter. Wenn ein Nutzer die Adresse von Roja Directa eingibt, wird die Anfrage auf eine Fehlerseite oder eine Sperrmitteilung umgeleitet.

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Die Seite selbst wird nicht offline genommen. Ihre Server bleiben aktiv und sind außerhalb des französischen Territoriums gehostet. Ein Internetnutzer in Belgien, der Schweiz oder Lateinamerika hat ohne jegliche Einschränkungen Zugang zur Plattform.

Diese Art der Sperrung hat eine strukturelle Grenze: Sie wirkt nur auf die Namensauflösung durch den lokalen ISP. Das manuelle Ändern der DNS-Einstellungen oder die Nutzung eines virtuellen privaten Netzwerks reicht technisch aus, um die Einschränkung zu umgehen. Mehrere französischsprachige Nutzer greifen weiterhin über einen Link zu Roja Directa zu, der in Foren oder sozialen Netzwerken geteilt wird.

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Gruppe junger Erwachsener, die in einem Café ein Sportspiel über einen Laptop streamt

ARCOM-Gesetz und dynamische Sperrung von Sportspiegeln

Die Sperrung von Roja Directa erfolgt im Rahmen eines rechtlichen Rahmens, der sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt hat. Das Gesetz vom 25. Oktober 2021, bekannt als ARCOM-Gesetz, hat einen spezifischen Mechanismus für illegale Sportübertragungen geschaffen, ergänzt durch den Erlass vom 23. Juni 2022.

Die Neuerung im Vergleich zu den früheren Sperrverfahren liegt in einem bestimmten Punkt: Französische Richter können nun die Sperrung nicht nur der Hauptseite, sondern auch ihrer Spiegel und Ersatzdomänen anordnen, ohne bei jeder neuen Adresse erneut vor Gericht gehen zu müssen. Das ist das Prinzip der dynamischen Sperrung.

Für ein Verzeichnis wie Roja Directa, das regelmäßig die Adresse wechselt, erschwert diese Entwicklung die Umgehungsstrategie auf der Herausgeberseite. Jeder neue Spiegel kann innerhalb eines verkürzten Zeitrahmens auf einfache Benachrichtigung der ISPs durch die Rechteinhaber gesperrt werden.

Die europäische Dimension des Verfahrens

Frankreich handelt nicht allein. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat in einem Urteil Ende 2023 (Rechtssache C-339/22, La Liga und Movistar+) das Prinzip von von Richtern angeordneten Sperrungen zur Bekämpfung von unautorisiertem Sport-Streaming, einschließlich dynamischer Anordnungen gegenüber Internetanbietern, bestätigt.

Mehrere Regulierungsbehörden in Spanien, Italien und Portugal haben sich auf diese Rechtsprechung gestützt, um ihre eigenen Verfahren zu erweitern. Die Bewegung zur Einschränkung beschränkt sich daher nicht mehr nur auf Frankreich, auch wenn die konkrete Anwendung von Land zu Land variiert.

Warum Roja Directa außerhalb Frankreichs beliebt bleibt

Das Modell von Roja Directa basiert auf einer dezentralisierten Architektur. Die Seite speichert keinen Videoinhalt. Sie beschränkt sich darauf, Streams zu referenzieren, die anderswo gehostet werden. Diese Struktur macht es schwierig, sie aus einem einzigen Land zu zerschlagen, da die Löschung der Seite in einer Gerichtsbarkeit weder die Quell-Streams noch das Verzeichnis selbst entfernt.

Mehrere Faktoren erklären die anhaltende Reichweite im Ausland:

  • Die Kosten für legale Sportabonnements sind in vielen Ländern hoch, und die Fragmentierung der Rechte zwingt manchmal dazu, mehrere Plattformen zu abonnieren, um eine einzige Liga zu verfolgen
  • Die minimalistische Benutzeroberfläche von Roja Directa zeigt die aktuellen und kommenden Spiele mit direkten Links an, ohne Registrierung oder Abonnement
  • In einigen Ländern Lateinamerikas oder Afrikas sind legale Übertragungen europäischer Ligen einfach nicht verfügbar, was Fußballfans zu solchen Plattformen treibt

Die Kostenlosigkeit ist nicht der einzige Antrieb. Das Fehlen eines zugänglichen legalen Angebots bleibt ein entscheidender Faktor in mehreren Regionen der Welt.

Smartphone-Bildschirm, der eine nicht autorisierte ausländische Sport-Streaming-Seite zeigt, die auf einem Wohnzimmertisch liegt

Rechtliche und technische Risiken für französische Nutzer

Der Zugang zu einer in Frankreich gesperrten Seite über ein VPN stellt an sich keinen Straftatbestand dar. Die Nutzung eines VPN ist legal. Die Nuance liegt im Gebrauch: Der Konsum von Inhalten, die ohne Genehmigung der Rechteinhaber übertragen werden, kann den Nutzer rechtlichen Konsequenzen aussetzen, auch wenn die Fälle von Verurteilungen einfacher Zuschauer in der Praxis selten sind.

Das konkretste Risiko für den Nutzer geht zudem nicht von der Justiz aus. Kostenlose Streaming-Seiten sind technischen Bedrohungen gut bekannt:

  • Weiterleitungen zu Phishing-Seiten oder gefälschten Anmeldeformularen
  • Aufdringliche Werbung mit schädlichen Skripten, die unerwünschte Software installieren können
  • Datensammlung ohne Zustimmung, die an intransparente Werbenetzwerke verkauft wird

Illegale Streaming-Plattformen monetarisieren ihre Reichweite durch aggressive Werbung und nicht durch einen zuverlässigen Service. Das Fehlen von Regulierungen in diesen Bereichen lässt Raum für Praktiken, die von legalen Netzwerken nicht erlaubt sind.

Legales Sportangebot und Fragmentierung der Rechte in Europa

Die Landschaft der Sportrechte in Europa trägt direkt zur Beliebtheit von Plattformen wie Roja Directa bei. Ein Fußballfan, der La Liga, die Premier League und die Champions League verfolgen möchte, muss oft mehrere separate Abonnements abschließen, deren kumulierte Kosten beträchtliche Beträge erreichen.

Diese Fragmentierung drängt einen Teil des Publikums in Richtung kostenloser Lösungen, selbst auf Kosten von Bildqualität und Sicherheit. Das Problem ist nicht nur preislich: Es hängt auch mit der Komplexität des Angebots zusammen. Zu wissen, welches Spiel auf welcher Plattform läuft, ist manchmal ein Rätsel.

Solange der legale Zugang zu Live-Sport fragmentiert und teuer bleibt, wird die Nachfrage nach Verzeichnissen wie Roja Directa nicht verschwinden. Die technische Sperrung schränkt den Zugang in einem bestimmten Land ein, behandelt jedoch nicht die Ursache der Nachfrage. Der nächste Schritt für die Rechteinhaber sowie für die Regulierungsbehörden besteht sowohl in der Anpassung des kommerziellen Angebots als auch in der Verstärkung der Sperrmaßnahmen.

Trotz seines Verbots in Frankreich zieht Roja Directa weiterhin im Ausland an.